[ Biographie ]

Willem Kalf 1619 - 1693



Rotterdam 1619 – 1638?

Am 3. November 1619 ließen Jan Jansz. Kalf und seine Frau Machtelt Gerrits (van Proyen) ihren neugeborenen Sohn Willem – mindestens das siebte Kind - in Rotterdam taufen. In seinen jüngsten Jahren muss Willem Kalf in beträchtlichem Wohlstand aufgewachsen sein. Sein Vater war ein erfolgreicher Kaufmann und Ratsmitglied. Als Willem sechs Jahre alt war, starb der Vater. Jan Kalfs Witwe führte den Tuchhandel ihres Mannes weiter, scheint aber weniger erfolgreich gewesen zu sein.

Wer in Willem den Wunsch weckte, eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen, ist nicht bekannt. Über die privaten und geschäftlichen Verbindungen seiner Eltern weiß man nur wenig. Aber als Tuchhändler werden sie vielleicht auch Künstler mit Leinwand beliefert haben. Zudem lieh seine Mutter 1631 Maerten Balckeneynde, dem wichtigsten Kunsthändler der Stadt, Geld. Von Bedeutung mag auch die Verwandtschaft mit Willem Pietersz. Buytewech gewesen sein, einem der berühmtesten Rotterdamer Künstler.

Den Haag 1638 – 1640?
Bis vor kurzem wusste man nicht, dass Kalf sich für einige Zeit auch in Den Haag aufgehalten hat. In einer Urkunde vom Februar 1638 wird er jedoch als »hier in ’s Gravenhage wohnend« erwähnt. Das früheste Kalf zugeschriebene Gemälde ist auf 1638 datiert und entstand somit möglicherweise in Den Haag. Ein zweites, heute nicht mehr vorhandenes Werk aus dem Jahr 1639 zeigte die Ansicht einer Stadt, gemalt in der Art Jan van Goyens. Van Goyen hatte sich 1632 dort niedergelassen und man kann annehmen, dass Kalf während seines Aufenthalts in Den Haag von dessen Werken beeinflusst wurde. Um 1640 muss der junge, aber bereits als Maler fertig ausgebildete Willem Kalf auf Reisen gegangen sein, deren erste Ziele nicht erwähnt sind. Sicher ist nur, dass er sich ab 1642 in Paris aufhielt.

Paris ca. 1642 – 1645
Viele Werke Willem Kalfs sind in Paris entstanden, „Bauerninterieurs“ wie auch Stilleben, und Kalf hatte offensichtlich keinen geringen Einfluss auf dort ansässige Maler. Dennoch weiß man nur wenig über seinen Paris-Aufenthalt. Dieser Lebensabschnitt Kalfs wurde erst im 19. Jahrhundert und nur ‚auf Umwegen’ bekannt, im Zusammenhang mit einer Biographie des Künstlerkollegen Philippe Vleughels, den Kalf bei dessen Ankunft in Paris unterstützte. Den bisherigen Informationen zufolge, hat der Paris-Aufenthalt Kalfs kaum länger als drei Jahre gedauert.

Zurück in Holland
Im Herbst 1646 hielt sich Kalf wieder in seiner Geburtsstadt Rotterdam auf, allerdings nur für kurze Zeit, und es ist fraglich, ob er dort noch einmal als Maler tätig war. Urkundlich vermeldet aber ist er erst im Jahr 1649 in der Stadt Hoorn. Dass Kalf sich gerade dorthin begab, ist merkwürdig – war doch in dieser kleinen westfriesischen Stadt der Markt für Kunstwerke äußerst begrenzt. Fest steht, dass Kalf sich in Hoorn niedergelassen hatte und dort 1651 die Pfarrerstochter Cornelia Pluvier heiratete, mit der er vier Kinder hatte. Kalf und seine Frau siedelten schon 1653 nach Amsterdam über, wo sie bis zu seinem Tode lebten.
Im Juli 1653 wohnte Willem Kalf im Haus von Johan le Thor am Singel in Amsterdam. Le Thor war Kaufmann und einer der Direktoren der West-Indischen-Kompanie und verwandt mit Kalfs Frau. Neben Gemälden und Silbergerät besaß er auch türkische Teppiche, Porzellan und einige Raritäten. Kalfs erstes Prunkstilleben ist 1653 datiert, möglicherweise standen ihm die kostbaren Objekte le Thors als Modelle zur Verfügung.
Kalf lebte mehr als vierzig Jahre in Amsterdam, doch seltsamerweise ist kaum etwas über seine Anwesenheit in dieser Stadt vermerkt worden. Weder ist sein Name in den Grundbüchern zu finden, noch ist ein Testament erhalten. Die Kunstliteratur des 17. Jahrhunderts belegt jedoch, dass seine Malerei bei den Zeitgenossen hoch geschätzt war und er sich eines Kreises von Sammlern sicher sein konnte.
Aus zeitgenössischen Inventaren lässt sich entnehmen, dass seine Gemälde zu Beträgen von ungefähr 30 bis 40 Gulden gehandelt wurden, ein guter Preis, doch zählte er damit nicht zu den best bezahlten Künstlern seiner Zeit. Kalfs Werke erscheinen hauptsächlich in Amsterdamer Besitzverzeichnissen, wurden aber auch von Haarlemer und Den Haager Sammlern gekauft. Es ist erstaunlich, dass kein einziger Lehrling Kalfs namentlich bekannt ist. Kalf führte vermutlich ein kleines Atelier, in dem er allein arbeitete oder nur wenige Mitarbeiter beschäftigte.
Zum Ende seines Lebens scheint Kalfs Schaffenskraft nachgelassen zu haben, zumindest lässt sich dies aus seinem bis heute bekannten Œuvre schließen. Sein letztes datiertes Werk trägt die Jahreszahl 1680. Die Ursache für den Rückgang seiner künstlerischen Produktion liegt im Bereich des Spekulativen. Es gibt Hinweise darauf, dass er sich stärker dem Kunsthandel widmete - ein für einen Künstler seiner Zeit keineswegs unüblicher Broterwerb, den er auch schon früher ausgeübt hatte. Auch wird von einer Krankheit berichtet, die seine handwerklichen Fähigkeiten eingeschränkt haben muss.
Im Jahr 1693 starb Willem Kalf. Wie der Künstlerbiograph Arnold van Houbraken beschreibt, verließ Kalf den Kunsthändler Zomer am Abend des 31. Juli. Auf dem Heimweg strauchelte er und fiel vornüber auf den Brustkorb. »Zwar fühlte er sich unwohl, aber nicht weiter über die Folgen nachdenkend, die dies nach sich zog, ging er zu Bett und war als die Uhr zehn schlug bereits eine Leiche«.


 


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